Wandern und Spazieren gehen auf einem Terrain, das für uns Menschen normalerweise unzugänglich ist: Wandern im Wattenmeer – auf dem Meeresboden. Macht man Urlaub an der Nordsee, gehört eine Wattwanderung dazu, schon um die Neugier zu befriedigen. Wie ist das wohl, wenn beim Wechsel der Gezeiten, bei Ebbe und Flut, sich alle sechs Stunden das Meer langsam zurückzieht und dann wieder langsam ins Wattenmeer einfließt. Und dann, bei Ebbe im Watt zu wandern in einem Gebiet, das eigentlich zum Lebensraum Wasser gehört.
Ausgangspunkt zu unserer Wattwanderung an der deutschen Nordsee war der Sandstrand direkt vor unserem Hotel. Die ostfriesischen Inseln waren am Horizont zu erkennen. Bestückt mit passendem Schuhwerk oder auch barfuß – für das besondere Feeling – geht’s dann zum richtigen Zeitpunkt los, den man unter Umständen erfragen muss, wenn man sich nicht zu einer geführten Watt-Tour anmeldet.
Gleich nach den ersten Metern bemerkt man die „Spagetti“-Häufchen. Das sind die Ausscheidungen des Watt-Wurms, der in etwa 30 cm Tiefe auf die Rückkehr des Meerwassers wartet. Auf Wanderungen im Wattenmeer trifft man meist auch auf zahlreiche Möwen, die ebenfalls umhermarschieren und nach Fressbarem suchen. Je nach Beschaffenheit des Meeresbodens findet man mehr oder weniger Muscheln. Bei entsprechender Ausdauer – und Mut – findet man dann relativ weit draußen wieder das Meer. Meist verweilt man hier an der Wasserkante einige Zeit und kehrt dann, zufrieden und auch etwas stolz, von seiner Wanderung aus dem Watt zurück – meist in seinen Strandkorb. Dort wartet man ungeduldig auf die Flut, und das Spiel kann von Neuem beginnen.